Das Pater-Jordan-Haus wurde in den Jahren 1973-1975 als Gemeindehaus bestehend aus zwei Einzelgebäuden und einem zugehörigen Hausmeisterhaus von der örtlichen katholischen Pfarrei errichtet und fortan mit ca. 450 Belegungen jährlich rege genutzt. Eine grundlegende Sanierung der Gebäude hat bisher nicht stattgefunden, weshalb nun dringender Handlungsbedarf besteht. Der Orden der Salvatorianer, dessen Gründer aus Gurtweil stammt und nach dem das Pater-Jordan-Haus in Gurtweil benannt ist, hat sich den Erhalt des dreiteiligen Gebäudeensembles als Ziel gesetzt.
Die Nutzung wird künftig zweigeteilt sein, mit einem privaten und einem öffentlichen Teil. So baut der Orden seit Frühsommer 2024 das ehemalige Hausmeisterhaus mit einem eigenfinanzierten Erweiterungsbau zu einem Kloster um. Fertigstellung und Einweihung ist im Juni 2026 geplant. Das Kloster dient der Eigennutzung durch den Orden und ist nicht Gegenstand der vorliegenden Projektbeschreibung. Das eigentliche Pater-Jordan-Haus wird hingegen als Gemeinschaftszentrum der Öffentlichkeit zugänglich sein. Seit Dezember 2025 saniert der Orden die beiden Gebäude des Pater-Jordan-Hauses und wird in diesem Zuge auch einen neuen Hofplatz errichten.
Das so entstehende Gemeinschaftszentrum wird der Kirchengemeinde sowie der gesamten Dorfgemeinschaft und darüber hinaus als Treffpunkt und Begegnungsstätte dienen. Dies wird durch die besondere Zusammenarbeit zwischen dem Orden, der Kirchengemeinde, der Erzdiözese, der Stadt, dem Land und dem Ortsteil mit seinem Förderverein möglich gemacht. Der Förderverein Gemeinschaftszentrum Pater-Jordan-Haus versteht sich dabei als Plattform für das bürgerschaftliche Engagement.
Bau- und Sanierungsarbeiten
Das Gemeinschaftszentrum behält die gegenwärtige Größe auch nach der Sanierung bei. Es handelt sich bei den Baumaßnahmen an den Gebäuden um eine Modernisierung und damit um den Erhalt der bestehenden Gebäude. Diese werden vor allem energetisch und gebäudetechnisch auf den neuesten Stand gebracht.
Durch die Umgestaltung des Hofplatzes wird zudem ein etwaiger neuer Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft geschaffen. Die Umgestaltung zielt dabei weniger auf die Größe und mehr auf eine Neuordnung des Platzes ab. Ziel ist es mit diversen Elementen einen einladenden Hofplatz zu gestalten, welcher das Potenzial hat die Dorfgemeinschaft zusammen zu bringen und als Treffpunkt zu fungieren. Gebäude sowie Hofplatz sollen durch Umbau künftig barrierefrei zugänglich sein.

Lageplan des Gemeinschaftszentrums mit dem geplanten neuen Dorfplatz
© unioarchitekten
Die beiden Säle werden nach der Sanierung unverändert eine Größe von ca. 129 m² bzw. 65 m² aufweisen und können insgesamt bis zu 100 bzw. 50 Personen aufnehmen. Zudem wird der großzügige Hofplatz durch die Neugestaltung zusätzlich zu seiner Funktion als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft als Veranstaltungsfläche genutzt werden können.
Wesentliche Veränderungen erfahren im Hauptgebäude der Eingangsbereich mit Foyer sowie die Sanitäranlagen und die Küche, die neu mit einer Theke zum Foyer ausgestattet und im Grundriss deutlich vergrößert wird. Der Gebäudeeingang erfolgt neu von der Ostseite über den Hofplatz und schafft somit eine Verbindung zum Nebengebäude. Neu vorgesehen sind ein abgeschlossener Lagerraum für die Bestuhlung sowie eine Garderobe.
Im Nebengebäude wird die Wendeltreppe durch ein Treppenhaus ersetzt. Sanitäranlagen werden teilweise in das Untergeschoss verlegt, während im Erdgeschoss ein neuer Lagerraum entsteht. Zusätzlich ist ein Personenaufzug vorgesehen, der barrierefreien Zugang in das Untergeschoss und in den Innenhof ermöglicht.

Grundriss (in grau: Bestand, bleibend; in gelb: Bestand, Rückbau; in rot: neu) © unioarchitekten
Nutzungskonzept
Um das Nutzungskonzept zu erläutern, muss zunächst kurz auf die Konstellation der Eigentumsverhältnisse eingegangen werden. Das Grundstück befindet sich im Eigentum der katholischen Kirche. Der Verein Pancratius Pfeiffer Missionsvikariat der Salvatorianer e.V. als Vertreter des internationalen Ordens der Salvatorianer in Deutschland hat das Grundstück im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages im Oktober 2024 an sich genommen und ist damit Eigentümer des Pater-Jordan-Hauses geworden.
Der Orden der Salvatorianer zusammen mit dem Förderverein sind künftig die organisierenden und einenden Größen mit Hinblick auf das Gemeinschaftszentrum. Ziel ist es, dass das Haus in seiner bisherigen Funktion weitergeführt wird, aber auch ausdrücklich Neues geschaffen werden soll. Dies soll heißen, dass möglichst viele Nutzungen und Aktivitäten in dem neu geschaffenen Gemeinschaftszentrum stattfinden sollen. Als Ziel steht eine rege Nutzung, welche von den Salvatorianern, der Pfarrgemeinde aber ausdrücklich auch von der Stadt- und Dorfgemeinschaft mit ihren örtlichen Vereinen und Gruppierungen in vielfältigen Angeboten und Veranstaltungen ausgehen soll. Im Rahmen von Nutzungsverträgen räumt der Orden der Salvatorianer der Kommune und der Kirchengemeinde umfangreiche Nutzungsrechte ein (siehe auch unten).
Das neu entstehende Gemeinschaftszentrum hat das Potenzial ein echtes Dorfzentrum zu werden, was vom Orden gewünscht wird. Das gute Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger und das Stiften und Fördern einer echten Dorfgemeinschaft ist dem Orden ebenso ein großes Anliegen wie allen Gurtweilern. Der Förderverein hat sich dieselbe Aufgabe auf die Fahne geschrieben und bringt sich aktiv in die Verwaltung ein.

So könnte es einmal aussehen: Visualisierung des modernisierten Pater-Jordan-Hauses mit neuem Dorfplatz © unioarchitekten
Förderungen und Finanzierung
Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ist ein Förderangebot des Landes Baden-Württemberg zur strukturellen Entwicklung ländlich geprägter Gemeinden. Gefördert werden u.a. die Sanierung und Umnutzung von Gebäuden im Ortskern, die dem Aufbau und Erhalt von gemeinschaftlichen Aktivitäten dienen (z.B. Dorfgemeinschaftshäuser). Projektträger können sowohl Kommunen als auch Vereine, Unternehmen und Privatpersonen sein. Antragsberechtigt sind jedoch ausschließlich Städte und Gemeinden.
Die Sanierung und Weiterentwicklung des Pater-Jordan-Hauses entspricht passgenau den Zielen des ELR. Dies hat die Stadt Waldshut-Tiengen mit großer persönlicher Unterstützung von Oberbürgermeister Martin Gruner dazu bewogen, gemeinsam mit dem Orden der Salvatorianer einen entsprechenden Antrag auszuarbeiten. Bereits am 13. Mai 2024 hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, sich mit 10 Prozent der Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 250.000 Euro an der Sanierung zu beteiligen und damit die Voraussetzungen für den Förderantrag geschaffen. Ende September 2024 konnte die Stadt den sehr umfangreichen ELR-Förderantrag mit Unterstützung des Fördervereins fristgerecht einreichen. Im März 2025 kam schließlich die gute Nachricht aus dem zuständigen Landesministerium, dass der Förderantrag für das Pater-Jordan-Haus bewilligt ist. Damit stehen seitens Land und Kommune insgesamt 1.0 Mio. Euro an Förderung zur Verfügung. Das stellt einen sehr wichtigen Baustein in der Finanzierung des Projektes dar. Im Gegenzug für diese Förderung aus öffentlichen Mitteln verpflichtet sich der Orden der Salvatorianer im Rahmen eines Nutzungsüberlassungsvertrags, die Räumlichkeiten des Pater-Jordan-Hauses der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vereine im Stadtgebiet von Waldshut-Tiengen sowie die Stadtverwaltung selbst haben dann die Möglichkeit, die Räume kostendeckend anzumieten. Vereinen und Gemeinschaften im Ortsgebiet von Gurtweil sowie der Ortsverwaltung Gurtweil wird darüber hinaus eine kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten pro Kalenderjahr gewährt. Bei einer Vermietung an Privatpersonen oder Unternehmen soll ein marktüblicher Mietzins erhoben werden. Der neu entstehende Hofplatz wird öffentlicher Raum und kann somit von der Allgemeinheit frei genutzt werden.
Nachdem das Land und die Stadt Waldshut-Tiengen ihre Förderzusagen erteilt hatten, nahmen die Salvatorianer weitere Gespräche mit Kirchengemeinde und der Erzdiözese auf. Diese führten zu einem erfolgreichen Ergebnis. So steuert die Kirchengemeinde 250.000 Euro und die Erzdiözese über verschiedene Fördertöpfe insgesamt 650.000 Euro für das Projekt bei. Als Gegenleistung erteilen die Salvatorianer der Kirchengemeinde das Recht zur kostenlosen Nutzung durch die örtlichen kirchlichen Gruppierungen. Somit können der Kirchenchor, die Ministranten, die Singgruppe „Aufbruch”, die Seniorengemeinschaft, das Katholische Bildungswerk und die weiteren Gruppierungen der örtlichen Gemeinde das Pater-Jordan-Haus auch zukünftig wie bisher nutzen.
Unter Berücksichtigung der Eigenmittel des Ordens und der zu erwartenden Mittel des Fördervereins konnte die Finanzierung des Projekts gesichert werden. Der Förderverein hat sich die Finanzierung der neuen Küche als eigenes Förderprojekt vorgenommen.
Aktueller Projektstand (Januar 2026)
Das Tiengener Architekturbüro Unio Architekten ist vom Orden der Salvatorianer mit der Planung der Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten beauftragt. Die Vorplanung, Kostenschätzung, die Entwurfs- und Genehmigungsplanung sind bereits abgeschlossen. Laut den Architekten belaufen sich die geschätzten Kosten auf 2.460.000 EUR brutto. Diese Summe umfasst eine komplette Grundsanierung der Gebäude, einschließlich der Erneuerung der Außenhülle und Haustechnik, der barrierefreien Erschließung, der Installation einer PV-Anlage sowie der Neugestaltung von Vorplatz und Innenhof. Mitte Juli 2025 reichten die Architekten den Bauantrag beim Bauamt der Stadt Waldshut-Tiengen ein. Seit Anfang November 2025 liegt die Baugenehmigung vor. Das Projekt kann damit – amtlich bescheinigt – in die Realität umgesetzt werden. Der Baubeginn erfolgte im Dezember 2025. Es ist mit einer Bauzeit von zwei Jahren zu rechnen.
Die Architekten erstellen aktuell die Ausführungsplanung und haben hierzu verschiedene Fachplaner hinzugezogen. Eine im Herbst durchgeführte gefahrstofforientierte Bausubstanzuntersuchung ergab grundsätzlich positive Ergebnisse. Lediglich ein Raum im Untergeschoss muss einer Bauschadstoffsanierung unterzogen werden. Diese wurde im Dezember 2025 durch eine zertifizierte Fachfirma durchgeführt und war somit die erste Baumaßnahme. In der Folge sind Rückbauarbeiten geplant. Im Januar und Februar 2026 möchte zunächst der Förderverein mit Unterstützung aus der Dorfgemeinschaft bestimmte, nicht schadstoffbelastete und statisch nicht relevante Bauteile in Eigenleistung zurückbauen. Es geht dabei im Wesentlichen um Bodenbeläge innen und außen sowie Wand- und Deckenverkleidungen. Geplant sind mehrere Einzelaktionen, die von Armin Russ koordiniert werden. Der Verein hofft auf rege Teilnahme.
Mit Beginn der Bauzeit konnten die zahlreichen Nutzergruppen und Vereine verschiedene Ersatzräume beziehen. Diese werden von der Stadt Waldshut-Tiengen (Alte Schule), der Grund- und Werkrealschule (Multifunktionsraum), der Caritas (Turn- und Speisesaal in den Werkstätten sowie Sitzungsraum im Pfarrhaus), der Feuerwehr (Schulungsraum Kaitle) und den Salvatorianern (Geburtshaus P. Jordan) zur Verfügung gestellt. Der Förderverein hatte sich dafür eingesetzt und ist sehr dankbar für diese große Kooperationsbereitschaft.
Daten:
Vorhaben:
Bauherr:
Gesamtkosten:
Durchführungszeitraum:
Energetische Sanierung der Gebäudehülle, Erneuerung der Haustechnik, barrierefreie Erschließung und Errichtung eines neuen Dorfplatzes zum Gemeinschaftszentrum
Pater-Jordan-Haus
Pancratius Pfeiffer Missionsvikariat der Salvatorianer e.V.
2´463´000 €, brutto (Schätzung nach DIN 276)
12/2025 bis 12/2027
Förderverein Gemeinschaftszentrum
Pater-Jordan-Haus e.V.
Kontakt: Dieter Hauser
Im Höllstein 18
79761 Waldshut-Tiengen
info-foerderverein@pater-jordan-haus.de